Der Weg
Life

Meine 4 Schritte gegen die Einsamkeit

Tipps um aus dem Loch der Einsamkeit zu kommen

Wie viele mitbekommen haben, hatte ich ein kurzes Tief und alte Erinnerungen und Gefühle sind wieder hoch gekommen. Dies habe ich nicht wie sonst, in ein Notizbuch geschrieben, sondern öffentlich auf meinen Blog. Ich habe bei meinen persönlichen Berichten gemerkt, dass es vielen auch so, oder ähnlich geht und es gut tut wenn man merkt, dass man nicht alleine ist. Es kann wirklich helfen, so dumm es sich auch anhört, da man im Netz ja nicht miteinander spricht oder persönlichen Kontakt hat. Vielleicht ist es genau das! Die nichtvorhandene Beziehung zu jemandem, und einen Blick ohne durch seine Empfindungen eines persönlichen Kontaktes, voreingenommen zu sein.

Ich habe von euch allen so schöne Worte, Zuspruch und Aufmunterungen erhalten, es hat mich wirklich sehr gerührt und ja auch geholfen. Ich möchte euch hier nochmal dafür danken, ihr seid echt ein Wahnsinn *schmatzer*. Mittlerweile geht es mir schon besser und ich habe einiges für mich wieder ins Reine bringen können. Ganz ist das komische Gefühl noch nicht weg, aber soweit abgedämpft, dass ich wieder lachen kann und nicht jede Sekunde daran denke. Jetzt habe ich mir aber auch gedacht, durch die vielen Nachrichten Gleichgesinnter, wieso schreibe ich euch nicht meine 4 Schritte auf, mit denen ich es immer wieder rausgeschafft habe. Es ist natürlich etwas das mir hilft und immer schon geholfen hat, was nicht heißt das es bei anderen auch so ist. Vielleicht ist es aber eine Anregung für manchen und etwas dabei, dass er selbst noch nicht probiert hat. Zudem habe ich solche Tiefs nicht immer und kommen höchstens 2x im Jahr vor.


Schritt 1 – Lass es raus!

Das erste das ich immer mache, nachdem ich gemerkt habe, es ist wieder soweit – ALLES RAUSLASSEN!!!

Ja genau, mir hilft es wirklich alleine zu sein in dem Moment, obwohl es eigentlich das ist, warum ich wieder einmal zusammengebrochen bin. Ich weine alles raus, lasse meinen Gedanken freien Lauf, ja auch meiner Fantasie die dann Szenarien im Kopf abspielt wie, was, warum und was wären die möglichen Zukunftsvisionen! Das Ganze mache ich ohne Musik, die lenkt mich ab und kann ich in dem Moment nicht gebrauchen. Das mache ich so lange, bis ich erschöpft bin und keine Tränen mehr kommen. Meistens schlafe ich danach sofort ein, alleine. Denn in dem Moment will ich absolut niemanden bei mir haben. In diesen Zustand hasse ich es, körperliche Nähe zu spüren oder Trost gespendet zu bekommen. Erstens nehme ich es so oder so nicht an und zweitens, fühle ich mich danach noch schlechter. Ich kann es wirklich nicht erklären, jedoch ist es bei mir so. Nach dem ersten Schritt geht es mir schon etwas besser und zumindest die Tränen kommen nicht mehr unkontrolliert.


Schritt 2 – Schreiben kann heilen!

Bevor ich angefangen habe zu bloggen, habe ich meine Gedanken und Ängste in ein Notizbuch vermerkt. Ich habe mir einfach alles von der Seele geschrieben und auf viele Seiten gepackt. Einmal niedergeschrieben und nochmal durchgelesen, ist wieder etwas Luft raus und man fühlt sich besser. Hier achte ich weder auf Rechtschreibfehler noch auf Groß- oder Kleinschreibung. Die Wörter und Sätze sprudeln nur so aus mir raus. Danach schließe ich das Heft und lese es erst wieder, wenn ich Schritt 3 hinter mir habe. Nun blogge ich und alles ist irgendwie öffentlicher, denn ich schreibe jetzt einfach einen Bericht. Ich weiß, das es vielen auch so geht oder in gewisser Weise sich vielleicht wieder finden. Hier tut es wirklich gut zu wissen, okay man ist nicht alleine. Man fühlt sich allein dadurch verstandener, obwohl man nicht einmal kommentiert hat oder die Person kennt. Manchmal erhält man auch tolle Tipps was man machen kann.


Schritt 3 – Reden, Reden, Reden!

So abgedroschen wie es sich auch anhört, so einfach und simpel ist es. Wie schon in den vorherigen Schritten, alles rauslassen. Zuerst für einen alleine, danach geschrieben und nun spreche ich mit meinen Liebsten darüber. Egal ob es der Mann ist, eine Freundin oder wer auch immer. Es muss und soll raus. Es kommt immer auf den Auslöser an, denn danach richtet sich bei mir die Ansprechperson. Ist es zB etwas beziehungstechnisches, berede ich das dann mit meinen Mann. Lasse nicht locker (Männer haben es ja nicht so mit reden und Gefühlen) und erzähle ihm von meinen Ängsten und wie es dazu kam, das ich mich jetzt so fühle. Oft aber hilft eher eine neutrale, außenstehende Person, die alles besser sehen kann, da sie nicht voreingenommen ist. Es zeigen sich plötzlich andere Sichtweisen und man beginnt darüber nachzudenken. Der Auslöser als dieser und auch die Umwelt, ja das diese es vielleicht gar nicht so sehen und ich dem eine Bedeutung gebe, die gar keine ist, können sich dadurch ändern. Somit kann sich das nach einer gewissen Zeit auflösen. Es bleibt zwar immer ein kleiner Beigeschmack, aber man ist wieder bei Kräften und kann sich selbst rausholen. Oft gibt es leider aber nur einen Weg – ab zum Profi!

Wenn gar nichts mehr geht und ich es irgendwann nicht mehr schaffe, mit diesen Schritten aus meinen komatösen, emotions- und lustlosen Zustand zu kommen, werde ich mir sofort professionelle Hilfe holen. Im Grunde weiß ich, das das Leben schön ist und dann würde ich die kurze Zeit die wir hier mit unseren Liebsten verweilen dürfen, nur unnütz verstreichen lassen und bekäme nichts mit. Das will ich nicht! Nachdem ich alles rausgelassen habe und beredet habe, gehe ich wieder zu meinen Notizheft und lese es erneut durch. Vieles erscheint plötzlich so kindisch und sinnlos. Falsche Zusammenhänge die ich gedeutet habe werden ersichtlich und ich streiche alles mit einen Genuss durch, das ich für mich als nicht richtig ansehe. Ab und zu bleibt auch etwas stehen, was jedoch nicht mehr so bleiern liegt. Das befreit doppelt und zaubert immer ein Lächeln auf mein Gesicht. Nachdem ich nun den Blogbeitrag gemacht habe, sind es die freigeschalteten Kommentare und Worte der Leser, die mir hier auch helfen und mich aufheitern. Man darf niemals die Macht der Wörter unterschätzen. Sie können einen zerstören und in den Abgrund werfen, jedoch aber auch wieder stärken und raushelfen.


Schritt 4 – Ich bin wichtig und belohne mich!

Nachdem ich wieder fest mit beiden Beinen am Boden stehe, gönne ich mir etwas. Genau, nur ICH stehe dann im Vordergrund und überlege mir etwas. Sei es eine Shoppingtour alleine, ein großer Eisbecher oder ein Besuch in einem Beautysalon, egal nach was mir ist (muss natürlich im Budget sein), ich genehmige es mir, denn ich bin es mir wert und habe es verdient. Man achtet immer auf die Anderen, schaut das es ihnen an nichts mangelt und gut geht. Leider bleibt man hier immer selbst auf der Strecke. Deshalb macht es, belohnt euch. Man hat etwas Schwieriges alleine geschafft und kann unheimlich stolz auf sich sein. Das Leben hat einen nicht geschluckt und gestärkt wie der Phönix aus der Asche, ist man wieder empor gekommen. Es wird immer wieder schwache Momente geben und die Straße des Lebens ist nun einmal sehr löchrig. Ausweichen wenn möglich, ansonsten schauen, dass man selber wieder aus dem Loch kommt. Wenn nicht, sich nicht zu schade sein und sich Hilfe holen!


Ich bin nun 34 Jahre alt. Habe in meinem kurzen Leben so manches erlebt und abbekommen. Trotzdem liebe ich das Leben und werde nie aufgeben zu kämpfen. Denn solange ich kämpfen möchte, solange gewinne ich auch. Verloren hat man nur, wenn man aufgibt und es nicht versucht. Manchmal dauert es länger, manchmal geht es mir nach ein paar Tagen wieder besser. Oft habe ich Wochen in denen ich quasi wie ein Zombie verweile, doch stets habe ich es geschafft und bin stolz das ich nicht die Straße verlassen habe, denn auch wenn sie manchmal einsam ist, so wartet immer jemand und begleitet einen ein Stück darauf.

Ich möchte hier niemanden sagen, das musst du jetzt machen, nur damit schaffst du es. Nein, auch würde ich nie sagen, jemand der professionelle Hilfe benötigt sei schwach. Im Gegenteil, es gehört ne Portion Mumm dazu, diese anzunehmen und den Schritt zu machen. Respekt und lasst euch nicht kleinreden!

Leseratte, Hobbyfotografin, Globetrotter und Hobbyköchin aus Leidenschaft. Immer auf der Suche nach Neuem und Interessanten. Kreativität, Begeisterung, Liebe und meine Familie machen mein Leben so bunt. Ab und zu bin ich etwas verrückt also nicht wundern!

27 Comments

  • Dana

    Hallo liebe Tanja,

    ich finde es mutig, vor aller Welt zuzugeben, dass es einem auch mal nicht gut geht. Das Internet ist ja voll von schick gestylten, „perfekten“, immer lachenden Menschen, da könnte man denken, ihnen geht es IMMER so.
    Ich habe jetzt nicht so genau mitbekommen oder rausgelesen worum es bei deinem Tief genau ging, also was der eigentliche Auslöser war doch finde ich, dass du auf deinem Weg schon sehr weit gegangen bist und durch deine 4 Schritte schon eine sehr gute Lösung für dich persönlich gefunden hast.

    alles Liebe
    Dana

    • Tanja Gammer

      Hallo Dana,

      ja der Bericht ist schon etwas älter und davor hatte ich einen Anderen geschrieben, der quasi als der Auslöser gilt. Ich kämpfe sehr mit dem Gefühl des „Nicht geliebt werden“, „alleine seins“ und „nichts wert sein“, das werde ich leider so schnell nicht los und habe für mich eben diese 4 Schritte gefunden, die mir helfen.

  • Mihaela

    Liebe Tanja,

    rauslassen ist ganz wichtig- das musste ich auch erst lernen. Es freut mich zu lesen, dass es Dir inzwischen besser geht!

    Bei mir war es der Tod meines kleinen Bruders, der mich in ein Loch gerissen hat, aber da musste ich eigene Wege gehen und konnte erst nach über zwei Jahren erstmals darüber schreiben.

    Liebe Grüße
    Mihaela

  • Nadine

    Liebe Tanja,

    es ist wohl eines der schwierigsten Dinge, aus so einem Loch wieder heraus zu kommen – vor allem alleine. Ich finde es ganz toll und habe größten Respekt, wie Du darum kämpfst. Und wie Du richtig schreibst, wirst Du auch gewinnen, solange Du kämpfst. Deine vier Schritte finde ich großartig! Das ist eine tolle Analyse und für mich sehr nachvollziehbar, dass so die Bekämpfung einer Krise funktionieren kann. Vor allem das Rauslassen befreit ungemein.

    Ich wünsche Dir alles, alles Liebe und grüße Dich ganz herzlich!
    Nadine

    http://nadinecd.blogspot.co.at

  • Sabine Gimm

    Du machst es genau richtig liebe Tanja. Wie gut, dass du es bisher immer allein geschafft hast. Solche Krisen können einen ganz schön reinreißen. Manchmal ist es nicht so leicht, da allein wieder rauszukommen. Ich denke, dass jeder einen Weg für sich findet. Wenn nicht, würde auch ich mir immer professionelle Hilfe holen.

    LG Sabine

  • Ruby-Celtic

    Hey liebe Tanja,

    ein paar schöne Tipps, die denke ich fast jeden weiterhelfen können. Man darf sich einfach niemals vergessen und etwas in sich hineinfressen. Ich denke das ist das schlimmste was man machen kann. Deshalb niemals aufgeben, reden, reden, reden und sich dazu niemals vergessen. ;)

    Liebe Grüße,
    Ruby

  • Kerstin

    Liebe Tanja,

    bei solchen Themen fällt es mir immer ziemlich schwer, zu kommentiere. Ein einfaches „Super, Tanja“ ist mir zu banal, andererseits fällt mir schon beim Lesen so viel ein, das ich zu sagen hätte, dass ich einen Roman hinterlassen müsste. Sind hat Themen mit sehr viel Gesprächs- und Diskussionspotential.
    Ich bin kein Freund von „Anleitungen zum Glücklichsein“, ich finde es daher sehr gut, dass du am Ende noch einmal extra betonst, dass dies DEINE ganz persönlichen Mittel sind, dich aus einem Tief zu ziehen und jeder seinen eigenen Weg suchen muss.
    Dabei belasse ich es jetzt, damit es nicht doch ein Roman wird ;-)
    Liebe Grüße
    Kerstin

    • Tanja Gammer

      Danke Kerstin, man könnte hier bei dem Thema wirklich Romane schreiben. Es gibt keine allgemeine Anleitung, denn für jeden ist das Loch anders und auch die Gefühle. Jeder hat seine eigenen Ansichten, Probleme und jeder ist anders, deshalb war es mir wichtig zu sagen was MIR hilft und nicht das diese Methode ein Allheilmittel ist. Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag

  • Geneviève

    Guten Morgen, ich finde es wahnsinnig mutig von Dir, wie du damit öffentlich umgehst. Das allein verdient ganz viel Hochachtung. Eigentlich, arbeite ich nach einem ähnlichen Prinzip mich wieder hoch zu holen, wenn ich ein Tief habe. Allerdings muss ich dazu sagen, sind meine jetzigen Tiefpunkte nicht mehr so intensiv wie noch vor fünf Jahren. Dank zwei stationärer, länger Therapien bin ich an mir gewachsen. Wie sagt man so schön Unkraut vergeht nicht, es wächst nur noch stärker nach. Wie du im Grunde sagst ist radikale Akzeptanz des Tiefs wichtig und dann den guten Weg wieder finden, sich klar machen, es gibt ihn noch, er ist nicht weg.

    • Tanja Gammer

      Danke dir. Ja so abgebrochen es sich auch anhört, so ist es dann aber auch letztendlich. Erkennen, akzeptieren und daran arbeiten. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, aber meine eigene Gegenwart und Zukunft. Früher hatte ich auch öfter Tiefs als jetzt und sie waren anders. Vielleicht auch eben wegen der Nichterkenntnis, jetzt da ich vieles anders beleuchte und sehe geht es einfacher. Schwer zu beschreiben, aber du weißt sicher was ich meine. Toll das du es dir auch erleichtern konntest.LG

  • Annie

    Liebe Tanja,
    Es ist total toll, dass du dir selbst eine so klare Anleitung für schwierige Zeiten zurechtlegen kannst. Ich finde es enorm, was du alleine schaffst. Da darfst du wirklich stolz sein!

    • Tanja Gammer

      Danke dir, das freut mich. Solange ich es noch so schaffe geht es. Ich hoffe jedoch nie in die Situation zu kommen, bei der die 4 Schritte nicht mehr wirken. Immer positiv denken, meistens zumindest *gg* lg

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