Wenn Reiseblogger dich zum Aufbruch bewegen

Satire Magazin

Liebe Leser des Satire Magazins Quatschblatt

Wie sie sicher gemerkt haben, ist seit der letzten Ausgabe etwas Zeit verstrichen. Dies hat leider einen besonderen Grund, welcher zwar nicht als Ausrede dafür dienen soll, aber vielleicht verstehen sie es dadurch etwas besser.

Nachdem erfolgreich die Neuentdeckung der Spezies Blogger aufgedeckt werden konnte, haben wir bereits einige Sektoren, welche von ihnen systematisch unterwandert werden, näher gebracht.

Wissenschaftler und unsere BF haben hierbei einiges ans Tageslicht gebracht und Kenntnisse erworben. Die globale Infizierung ist jedoch nicht zu stoppen. Ein Grund dafür ist auch der nächte Sektor, den wir genauer betrachten werden.

Die Reiseblogger

Diese sind auch in gewisser Weise Schuld an der langen Wartezeit der nächsten Ausgabe. Einige Mitglieder, ja sogar Wissenschaftler, welche sich näher mit der Materie befasst haben, beantragten plötzlich einen spontanen Urlaub. Da wir immer bedacht sind, unseren Mitarbeitern einen Ausgleich zur anstrengenden Arbeit zu geben, haben wir nichtsahnend diesen zugestimmt. Eine kleinere Pause würde uns allen gut tun. Da wir bis dato auch noch nicht dahinter gekommen sind, worauf es die Spezies nun endgültig abgesehen hat. Mit klarem Kopf arbeitet es sich verständlicherweise leichter. Und erholt noch besser.

So der Gedanke, doch wieder mussten wir eines besseren belehrt werden. Einige kamen von ihrem Urlaub nie wieder zurück und haben ihr Leben, wie es einst war, einfach hinter sich gelassen. Alles Hab und Gut wurde zurück gelassen und lediglich mit einem Rucksack sah man sie ab diesem Zeitpunkt um die Welt reisen.

Sie können sich vorstellen, was für ein herber Verlust dies wieder war. Was für einen Einbruch in unserer ohnehin schon schwierigen Arbeit wir erlitten haben. Doch wir haben uns davon nicht aufhalten lassen. Da wir wissen, dass wir dies im Dienste aller unserer Leser und der gesamten Menschheit machen, haben wir uns danach doppelt in die Arbeit gestürzt. So konnten wir wieder einiges aufdecken und die Reiseblogger durchleuchten.

Wenn sie leicht beeinflussbar sind, besonders wenn es um bildliche Darstellung geht, dann bitte ich sie, passen sie besonders auf. Wie immer gilt die Faustregel – 3 Minuten am Blog, länger nicht, ansonsten muss ich ihnen leider mitteilen, sie sind infiziert und verloren. Es gibt bis dato noch immer kein Heilmittel und wenn ihnen ihr bisheriges Leben so gefallen hat und sie ihre Liebesten nicht verlieren möchten, dann halte sie sich strikt an diese Regel. Dieses Medium und deren Verbreiter sind einer der übelsten Sorte und bedienen sich so vieler Tricks, dass man sich kaum wehren kann dagegen.

Sollten sie neu hier sein, bitte ich sie, lesen sie zu ihrer eigenen Sicherheit die vorherigen Ausgaben durch. Nicht das sie am Ende noch zu den verlorenen Lämmchen gehören und nicht mehr zurück in den Stall können.


Ausgabe 1 – Die Entdeckung

Ausgabe 2 – Die Kategorien

Ausgabe 3 – Foodblogger und dein Speiseplan

Ausgabe 4 – Beautyblogger verzieren dich

Ausgabe 5 – Deine Kleidung dank Fashionblogger


 

Doch was haben wir jetzt genau erfahren. Wir haben einige dieser Reiseblogger auf deren Blogs besucht. Was sofort ins Auge gestochen ist. Sie locken mit wunderschönen Bildern, ob diese real sind oder mit diversen Programmen aufgepimpt wurden, ist dabei kaum ersichtlich. Zudem manipulieren sie durch Werbetext ähnliche Parolen eine ganz spezielle Region in unserem Gehirn. Es ist wie diese unterschwelligen Botschaften, kaum wahrnehmbar aber dennoch verankern sie sich in unseren Köpfen. Die Bilder und Beschreibungen zu den einzelnen Orten, sorgen für ein imenses Verlangen, genau dorthin zu reisen.

In Städte und Länder, die wir zeitweise nicht einmal richtig aussprechen können oder gewusst hätten, dass es sie gibt. Doch nicht nur unser Fernweh wird dadurch stimuliert, nein, es wird zudem eines unserer ureigensten Instinkte geweckt. Zu reisen, zu entdecken, zu sammeln und jagen. In dem Fall sind es eben Eindrücke und Länder mit deren Städte.

Um ja niemanden aus ihren Fängen zu lassen, wird auch direkt auf unseren Alltag eingegangen. Es wird uns immer wieder eingetrichtert, wir sollten unser Hamsterrad verlassen und das tun was wir lieben. Sich alles anzusehen was wir wollen, denn die Welt liegt uns zu Füßen.

Bitte, hören sie nicht darauf, denn unsere Füße müssten dafür mit goldenen Schuhen bestückt sein, um sich das alles leisten zu können. Doch auch daran hat diese grausame Spezies gedacht.

Wir sollen unserem Arbeitsalltag entfliehen, das Rad verlassen und um das tun zu können, wird uns immer wieder vor Augen geführt, wie man wo in welcher Umgebung doch etwas Geld verdienen kann. Hierbei wird auf den Ausdruck Arbeit gewissenhaft verzichtet.

Ja sogar neue Sportarten werden eigens dafür erfunden und aufgezeigt. Alles um unser starkes Bedürfnis nach Freiheit zu stärken.

Jedes Jahr werden uns neue Eindrücke gezeigt und das Reiseziel des Jahres ändert sich ständig. Wir befürchten, dass sich hier die Reiselobby mit den Bloggern vereint haben. Eine Win-Win Situation sozusagen schaffen. Dies würde auch erklären, warum plötzlich abgeschiedene Dörfer mit gerade mal 100 Bewohnern, plötzlich der Hotspot schlechthin sind. Ein winziges Dort so perfekt ins Szene gesetzt, dass anhand der Darstellung unser Drang sofort aktiviert wird.

Das sich hier der Reiseblogger nicht nur auf seinen Blog alleine konzentriert erschwert diese Angelegenheit noch. Diverse soziale Medien werden mit den Bildern überflutet. Videos aus den vermeintlichen Urlaubsparadiesen gemacht um soviele Lämmer wie möglich anzuziehen, oder waren es Hamster.

Wollen sie gar die Hamsterspezies ausrotten?!

Doch es ist noch weit schlimmer. Denn nicht nur die Länder und Städte, oder fast ausgestorbenen Dörfer profitieren davon, nein, sogar der Handel.

Sie glauben uns nicht, dann überprüfen sie es. Während man früher vielleicht noch mit einem Fotoapparat bewaffnet seine Reisen dokumentiert hatte, so sieht man überall Menschen mit komischen kleinen Würfeln auf den Köpfen. Einer (Brech)Stange vor sich, worauf sich ein Smartphone befindet, während über ihren Köpfen eine verdächtige Drohnen kreist und mit größter Wahrscheinlichkeit nicht nur die Aufnahmen zu den Reisebloggern sendet, nein auch zu sämtlichen Geheimdiensten.

Es werden eigens Schiffe gebaut, um jene Infizierten zu transportieren. Da diese immer mehr werden, werden auch die Schiffe immer größer. Schnell ist das Dorf mit 100 Einwohnern vergessen, wenn eine riesige Stadt samt Casino, Kino und dergleichen auf dem Meer treibt.

Sind sie jener Mensch der gerne ihre innere Mitte, ihr Gleichgewicht sucht? Betreiben sie Sportarten wie zB. Yoga, Kitesurfen oder Segeln? Alles kein Problem, es gibt wirklich keinen Sektor der nicht mit Angeboten von den Reisebloggern zusätzlich zu der Destination angeboten wird. Ob hier der Spruch – Sport ist Mord! Ihre Beweggründe sind? Da wir deren Absichten noch nicht durchschaut haben, behalten sie es sich bitte im Hinterkopf.

Um zu einen dieser schönen Reisezielen zu kommen, bedienen sich die Reiseblogger an Thomas Cook, Niki, und ähnlich wohlklingenden Namen für die Reise. Mit Niki fliegt man sofort beruhigter, als mit Fluggesellschaft XY, welche namenlos ist.

Sie haben ein Haustier, auch hier kein Problem. Egal was ihre Gründe sein sollten, um nicht zu verreisen, sie werden sofort in der Luft zerschlagen. Diese perfiede Spezies hat es doch tatsächlich geschafft an jedes noch so kleinste Detail zu achten. So findet man neben Bloggern für Reisen mit Hund, auch Reisen für den fröhlichen Camper von nebenan. Yoga Freunde die sich sektenähnlich zusammenrotten können um mit einem schiefen Baum gegen den Sonnenuntergang zu schippern. Abenteurer sind die neuen Adrenalinjunkies der Zukunft und für sie werden immer neuere und wilderer Angebote geboten. Verreisen nur mit Handgebäck, damals unvorstellbar, doch jetzt ist es das neue Menschsein Gefühl schlechthin. Minimalismus vs. Protz. Egal was sie glauben begehren zu müssen, sie werden ihr Hamsterrad nach diesen Blogbesuchen verlassen wollen und sich dem Kollektiv anschließen.

Bitte seien sie stark. Achten sie nicht darauf, lassen sie sich nicht manipulieren. Interpol wird sie nie wieder aufspüren können. Sie gelten als verschollen, um dann nur irgendwo an einem Strand früh morgens aufzuwachen. Sie müssen härter arbeiten und dazu noch eine andere Sprache lernen, nur um sich eine Kokosnuss leisten zu können.

Sie können Yoga auch zuhause machen, in ihrer Umgebung mit vielen Nichtinfizierten. Ihr Leben das sie einmals hatten, werden sie nie wieder zurück bekommen.

Zudem vergessen sie nie

Sie sind kein Hamster, sondern ein Mensch – Daher gibt es kein Hamsterrad!

Bitte seien sie vorsichtig meine lieben Leser. Wir haben viele gute Menschen an diese Spezies verloren, ohne einer Chance auf Rückkehr. Reisen ist schön. Neues entdecken und Erfahrungen sammeln, dagegen spricht nichts, doch bitte suchen sie dafür keinen Reiseblogger auf. Sie werden ihm nach diesen 3 Minuten ins Netz gegangen sein und ihnen wird ein Kribbeln auffallen. Eine Sucht die kaum zu stillen sein wird. Sie werden bitter enttäuscht sein oder für immer verschwinden. Denken sie an ihre Liebsten, denken sie daran was ihnen das Leben schon alles gegeben hat, auch wenn sie dies vielleicht nur an einem Ort erlebt haben.

Wir möchten nochmal dringend darauf hinweisen, dass die Spezies Blogger die Welt infiziert. Sie skrupellos sind und mit vielen Tricks arbeiten. Sie haben ein breites Wissen über unsere Anatomie und auch unsere Gefühlswelt. Sie wissen geschickt uns zu lenken ohne das wir es merken. Seien sie wachsam, seien sie auf der Hut. Es darf einfach noch nicht zu spät sein!

Wir geben die Hoffnung und unsere Arbeit noch nicht auf. Wir werden weiterhin ihre Machenschaften aufdecken und sie darüber informieren. Bleiben sie am Ball und versäumen sie keine Ausgaben mehr.

Wir werden in der nächsten Ausgabe die Buchblogger behandeln. Wörter sind machtvoll und man darf diese nicht unterschätzen.

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Tanja Gammer

Leseratte, Hobbyfotografin, Globetrotter und Hobbyköchin aus Leidenschaft. Immer auf der Suche nach Neuem und Interessanten. Kreativität, Begeisterung, Liebe und meine Familie machen mein Leben so bunt. Ab und zu bin ich etwas verrückt also nicht wundern!

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16 Discussion to this post

  1. Ruby sagt:

    Hey Tanja,

    bin ich glücklich das du mich aufgeklärt hast. Wenn ich diese Erfahrungen nicht hätte lesen können, es wäre eine Schande gewesen. Vielen, vielen Dank :D

    Liebe Grüße,
    Ruby

  2. Wie ist mir diese Serie nur entgangen :-o
    Danke für die Aufklärung liebe Tanja!!!
    LG JJacky

  3. S.Mirli sagt:

    Viiiielen Dank liebe Tanja für den Lachflash, ich hab noch immer Tränen in den Augen, was soll ich sagen: einfach nur genialst, diese Spezies Blogger ist wirklich beängstigend, zum Glück gibt es Menschen, die ihnen auf der Spur sind, immer weiter so bitte. Ich wünsche dir eine fabelhafte Woche, ganz ganz liebe Grüße, x S.Mirli!

  4. Am besten finde ich die Blogger die es schaffen in 365 Tagen gefühlte 800 Länder zu besuchen. Fotostrecken erstellen, Hoteltipps geben zig Sehenswürdigkeiten und Menü´s präsentieren. Ich tippe insgeheim darauf, das diese Reiseblogger um die 10 Klone haben ;-) LG Romy

  5. Danke für diesen sehr informativen Aufklärungsbericht. Ich könnte sofort verreisen, werde mich aber von Reiseblogs fernhalten. Sicher ist sicher :)

    Liebe Grüße Sabine

  6. Liebe Tanja,
    was ein geiler Text :). Ich musste echt lachen :).
    Liebe Grüße!

  7. Christine sagt:

    Jetzt weiß ich endlich, warum es mich ständig in ferne Gebiete zieht und ich diesen Drang nicht erklären konnte.
    Cool geschrieben Tanja. Lese dein Aufklärungsmagazin gerne, da es soviel Witz und Selbstironie enthält.

    Liebe Grüße

    Christine

  8. Oha.

    Das hört sich ja wirklich gefährlich an Oo

    Gut, dass es dieses wertvolle Aufklärungsmagazin gibt. Denn ich selbst habe ich oft bemerkt, wie mich solche Reiseblogs in den Bann zogen und sich in mir so ein seltsames Verlangen bemerkbar machte. Bisher war mir nicht klar, was wirklich dahinter steckt. Aber diese 3-Minuten Regel ist sehr gut. In Zukunft werde ich auf jeden Fall darauf achten. Nicht, dass es mir irgendwann wie so vielen anderen geht und ich plötzlich einfach weg bin. Aber jetzt, wo ich weiß was hinter diesem unerklärbar erscheinenden Verlangen steckt, hoffe ich, dass es mir leichter fällt zu widerstehen.

    Vielen Dank für diese Aufklärung.

    Viele Grüße,
    Melanie =^_^=

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