Hand auf einem Fenster
Life

Mobbing – Tatort Schule

Ich habe euch ja schon einmal vorgewarnt, dass ich euch ein paar Geschichten aus dem Schulalltag meiner Tochter erzählen werde. Hier werde ich jedoch eine Reihe machen, damit es nicht zu viel wird auf einmal. Alles was ich euch hier jetzt schreibe ist passiert und aus meiner Sicht geschrieben und anhand der Erzählungen meiner Tochter.

Es ist nun etwas über ein Jahr aus. Es war kalt, verregnet und typisch für diese Jahreszeit, einfach grau in grau.

In den Nachrichten hörte man den üblichen Sing Sang gefolgt von den Neuigkeiten des Tages, welchen ich anfangs keine Beachtung schenkte.

Man arbeitete nebenher weiter und verrichtete seine Dinge. Zu hause angekommen, sieht die Sache jedoch anders aus. Warum ich plötzlich aufhorchte als die Nachrichten durch die Lautsprecher rieselten, kann ich heute nicht mehr sagen. Aber ich bin wie von der Tarantel gebissen aufgesprungen, um die Lautstärke hoch zu drehen.

Was ich hörte hat mir einen kalten Schauer über den Rücken gejagt.

13 jähriges Mädchen erhängt aufgefunden im Elternhaus!

Nicht unweit von unserem Heimatort. Meinen ersten Gedanken weiß ich noch ganz genau – was muss in einem so jungen Menschen vor sich gehen, um diesen schrecklichen und schmerzvollen Freitod zu wählen.

Gefunden wurde sie von ihren Eltern im Stiegenhaus. Unbeschreiblich, mehr fällt mir dazu nicht ein.

Es geisterte noch einige Stunden in meinen Kopf und verblasste dann wieder.

Am Tag darauf, folgte der nächste Schock! Meine Tochter kam nach hause und erzählte völlig aufgelöst von dem Mädchen.

Es stellte sich heraus, das es eine Schulkameradin eine Klasse höher war. Sie kannte sie zwar nicht, aber eine Freundin von ihr.

Uff, das hatte gesessen. Zuerst einmal hinsetzen, dann habe ich sie danach gefragt und ob sie darüber reden will. Das Mädchen hatte eine schwere Hautkrankheit und hatte schon öfter mit dem Gedanken des Selbstmordes gespielt. Diesen auch laut geäußert (angeblich laut einer Freundin).

Sofort schoss mir das Wort – Mobbing in den Kopf

Ja denn in dieser Schule wird nicht nur gelernt, mir kommt vor, hier tummeln sich die Wahnsinnigen der Zukunft.

Sorry, aber das alles was war und noch kommen wird lässt mir keine andere Wortwahl zu.

Zurück zu der armen Seele, Ruhe in Frieden!!!!

Beide Seiten behaupten – NEIN es gab kein Mobbing! Höchstens ein oder zwei Ausschreitungen oder Anmerkungen, böse Zungen.

Ehrlich, Mobbing fängt nicht erst bei dem 10ten Schimpfwort oder dem zweiten geworfenen Papierkügelchen an. Nein, da reicht, gerade in solch einer Situation, ein einziges Wort.

Die Fratze hat viele Gesichter und weiß sich durch die Kinder zu mogeln um dir mitten ins Gesicht zu schlagen!

Ärzte wurden damals schon aufgesucht, es wurden Gespräche mit Psychologen geführt, jedoch scheint es dem armen Mädchen nicht geholfen zu haben.

Breit und groß wurde es in den Medien versklavt und so noch mehr Öl in das Feuer zu gießen. Es folgte ein wahrer Shitstorm auf Facebook gegen einige Schulkinder, welche sogar mit Steinen beworfen wurden auf dem Schulweg.

Trauer, Wut und die Unfähigkeit mit dem was passiert ist umzugehen. Es sind eben doch immerhin noch Kinder!

Meist jedoch sind es diese Kinder, die das erste Wort sprachen.

Gott sei Dank, legte sich das sehr schnell wieder und wurde fast im Keim erstickt. Was wäre sonst noch als nächster passiert oder wem.

Meine Tochter ist und war ebenfalls immer ein Geist des Klassenrandes. Unsichtbar, und nur sichtbar für Sticheleien. Sofort dachte ich an das selbe Schauspiel bei ihr. Hat sie sich verändert? Ist sie nicht mehr so ausgeglichen und fröhlich? Geht ihr das auch nahe genug um den Freitod zu wählen?

Das Mobbing hat viele Gesichter, zum Glück beschränkt sich das meiner Tochter auf kleine Kommentare hier und da, die sie zu hause rauslassen kann und ihrer Wut auf diese Personen freien Lauf geben kann. Ja auch diese Worte sind für mich schon Mobbing, wie man damit umgeht das ist wichtig. Auf Lehrer oder Schule braucht man sich keinesfalls mehr verlassen. Diese sind nur mehr Schatten von sich selbst auf den schnellsten Weg in die wohlverdiente Pension.

Wen wundert es, bei diesen Kindern heutzutage würde ich schreiend davon laufen.

Nach einigen Wochen hat sich alles wieder gelegt. Ruhe ist eingekehrt, soweit man das an der Schule sagen kann, und kaum jemand spricht noch darüber.

Niemand weiß wirklich was genau passiert ist und wie, man wird es auch nie erfahren!

Fakt ist, es muss mehr als nur ein Wort gewesen sein, ein Schubser oder Ähnliches, dass sich ein so junger Mensch auf eine wirklich grausame Weise aus dem Leben reißt.

Der Engel hat den Strick nach oben genommen und kann nun ihre Flügel ausbreiten um in völliger Freiheit ihr Leben zu genießen. Während ich jetzt nochmal korrektur lese, werden meine Augen glasig und es kommen jede Menge Gefühle hoch.

Deshalb wird das nächste „Tischgespräch“ ganz dem Thema Mobbing gewidmet sein. Ich werde euch von der Grundschule bis jetzt schreiben, was wir alles schon erlebt haben und wie sich das in der Klasse und unter ihren Schülern, aber auch Lehrern geäußert hat. Das soll euch mal einen kleinen Einblick in die „Irrenanstalt“ Schule meiner Tochter geben. Ein etwas brutaler Auftakt, ich weiß, aber das ist wirklich schon das Ende des schlimmen Zipfels. Dazwischen gibt es noch so vieles, das schon wirklich erschreckend ist. Damals ging ich schon in die selbe Schule, doch eines war klar, diese Auswüchse gab es nicht. Mobbing fand auch statt, aber in einen anderen Rahmen. Es wurde danach diskutiert und beraten und es kam nicht mehr vor. Wir waren einsichtig, soweit man das sagen kann.

So, nun habt ihr schon mal einen kleinen Einblick. Kennt ihr Ähnliches? Ist die Schule eurer Kinder auch schon mutiert?

Leseratte, Hobbyfotografin, Globetrotter und Hobbyköchin aus Leidenschaft. Immer auf der Suche nach Neuem und Interessanten. Kreativität, Begeisterung, Liebe und meine Familie machen mein Leben so bunt. Ab und zu bin ich etwas verrückt also nicht wundern!

5 Comments

  • Tina-Maria

    Hallo Tanja,

    das Thema Mobbing habe ich letztes Jahr leider erfahren. Heute kann ich offen damit reden, und nicht mit vorgehaltener Hand. Denn man sollte das Thema nicht unter den Teppich kehren, denn es kann jeden treffen.

    Unsere Tochter wurde zwei Jahre gemobbt im Gymi (damals 6. Klasse). Fakt war, sie war das einzigste Mädchen in der Klasse, die nicht aus dem Ort kam. Nur kurz warum sie in dieser Klasse ist. Es gibt 6 Klassen ihr Jahrgangangsstufen. Hat aber Französisch, deshalb ist sie in dieser Klasse. Die anderen haben Latein und zudem einen anderen Zweig. Alles fing an, mit Sprüchen “ Hier sitzt du nicht“ „Du, Kleinostheimer stinkst“,“Käufst deine Kleider bei Aldi“ ect. Das Ganze ging immer von einer Person aus und die anderen zogen dann mit.

    Das alles ging wie gesagt 2 Jahre, bis zum Sommer letztens Jahres. Da hat sich unsere Tochter zur Schulpsychologin getraut und dann kam der Anruf, der von heut auf morgen alles bei uns veränderte. Ich dachte was ist los? Was ist passiert mit klopfenden Herzen bin ich zur Schule gerast und dann kam der Knall.

    Unsere Tochter hat ausgepackt und da kam alles raus, dass sie schon ein paar Mal nicht mehr Leben wollte und sich von die Bahn/ Brücke schmeißen wollte. Ihr Freund, der dabei war bestätige dies. Ich konnte es nicht glauben, mir zog es Boden unter den Füßen weg. Die Frage, die ich mir stellte war, warum hab ich nichts bemerkt? Warum kam Sie nicht zu mir? Fragen, deren Antworten ich heute weiß.

    Nachdem Gespräch in der Schule, musst ich unsere Tochter sofort in die KJP bringen. Sie durfte nicht nach Hause, da sie eine Gefahr für sich selbst war (Aussage der Schule und dem Arzt von der KJP). Von dem Zeitpunkt war sie fast 3 Monate dort und nur einmal in der Woche für 4 Stunden Zuhause. Es war die Hölle für sie und für uns. Alles wurde auf den Tisch gelegt, warum sie das machen wollte. Es waren viele Gespäche mit den Psychologen, Lehrer und Direktor der Schule. Ich dachte erst oh Gott, die wissen das, aber es ist gut! So wissen Sie, was los ist und die Mitarbeit und die Gespräche, die wir mit Ihnen einmal im Monat haben sind großartig.

    Mitterweile geht unsere Tochter 1 mal in der Woche zur Psychologin in die Stadt und auch ist sie nicht mehr in ihrer alten Klasse, sondern hat freiwillig wiederholt. Es geht langsam bergauf. Heute sehe das Thema Mobbing mit ganz anderen Augen.

    Liebe Grüße
    Tina-Maria

    • Tanja Gammer

      Es tut mir unendlich leid das zu lesen und hören. Gut das sich deine Tochter noch jemanden anvertraut hat und alles ins Rollen gekom.en ist. Ich wünsche euch viel Kraft, damit sie es schnell wieder raus schafft und alles hinter sich lassen kann. Und mach dir bloß keine Vorwürfe da du nichts mitbekommen hast, denn das kann man meistens nicht.
      Liebe Grüße
      Tanja

  • Corinna

    Hallo Tanja,

    ich bin wirklich erschüttert von dem, was ich hier auf deinem Blog schon gelesen habe. Ich erinnere mich an eine schöne Schulzeit. Sicherlich gab es damals auch mal Sticheleien, aber sie gingen nie so weit, dass jemand physisch oder psychisch auf dem Boden lag und noch einmal richtig nachgetreten wurde. Im Gegenteil fand sich immer jemand, der schlichtete und sagte, dass es so nicht ginge.

    Und als bei uns zu Hause mal ein Vater mit seinem Sohn auftauchte, dem mein Bruder ein blaues Auge verpasst hatte, holte mein Vater meinen Bruder und ließ ihn erzählen, warum es dazu gekommen war, woraufhin der Vater des anderen seinem Sohn einen Klapps auf den Hinterkopf gab, sich mit einer Entschuldigung umdrehte und wieder losging. Will heißen, die Eltern hatten damals auch ein anderes, besseres Gerechtigkeitsempfinden.

    Viele Grüße,
    Corinna

    • Tanja Gammer

      Hallo Corinna,

      ja ich weiß was du meinst. Leider fängt es immer zuhause an und hier wird schon so erzogen oder nichts unternommen. Leider ein trauriges Thema das immer mehr im Alltag vorhanden ist.

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