Zuhause wo dein Herz ist
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Zuhause ist, wo dein Herz ist!

Gastbeitrag – Zuhause ist, wo dein Herz ist!

Heute ist die liebe Tanja zu Besuch auf meinen Blog und hat ein paar schöne Zeilen hinterlassen. Oft ist es ja so, man zieht um wegen der Arbeit oder Beziehung und irgendwie kommt man dort nie so richtig an. Ist man Zuhause wenn das Herz eigentlich ganz wo anders ist? Wenn eine Stadt oder ein Ort dir sagt, hier gehörst du eigentlich hin und das willst du ja auch. Leider kann man nicht immer dorthin wo das Herz ist, aber lest selbst….


„Home is, where your heart is“ oder wie sagt man so schön? Wenn das Herz aber dauerhaft an einem anderen Ort verweilt als der Körper, dann wird es einen auf Dauer zerreißen. Etwas, das mir erst bei meinem letzten Heimaturlaub wirklich aufgefallen ist und das mich seit dem sehr beschäftigt. Aber was genau ist denn Heimat überhaupt? Bei google findet man folgende Definitionen:

Das Land oder die Gegend, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich zu Hause fühlt, weil man schon lange dort wohnt.

Jeder hat demnach mindestens eine Heimat, nämlich seinen Gebortsort. Aber man kann auch eine neue Heimat finden. Leider geht aus der Definition nicht hervor, ob jeder Mensch nur eine Heimatgleichzeitig haben kann. Aber ich mag wetten, ganz viele werden sagen, dass man durchaus mehrere Orte seine Heimat nennen kann. Aber wieso ist ein Umzug dann manchmal so ein Problem?

Ich bin im Mai 2014 mit meinen Freund zusammengezogen. Um es direkt richtig kompliziert zu machen, sind wir über 400km weit weg gezogen von der Heimat, der Familie und den Freunden, mit mir als Alleinverdiener, da er erst drei Wochen vor dem Umzug mit der Uni fertig geworden ist und aufgrund meiner unklaren Jobsituation vor dem Umzug nicht gesucht hat. Also standen wir da, in einer halbleeren (oder halbvollen?) Wohnung, mit wenig Geld in der Tasche und ohne Freunde und Familie im Schwabenländle bei Stuttgart. Anfangs war es ganz klar, mein Zuhause ist in der alten Heimat. Wie soll eine Wohnung ohne Kühlschrank, Küche und Kleiderschrank sich auch nur ansatzweise nach so etwas wie Zuhause anfühlen? Erst Ende Juli konnten wir endlich in unserer eigenen Küche kochen! Durch die vielen Feiertage im Mai und Juni, Urlaub im August, September und zu Weihnachten verging die erste Zeit auch noch recht gut. Es gab viele Gelegenheiten nach Hause zu fahren, in die Heimat.

Seit Februar arbeitet mein Freund und wir müssen jetzt beide unsere Urlaubsplanung koordinieren. Also sind wir dieses Jahr schon weniger nach Hause gefahren, als im Jahr zuvor. Und mein letzten Mal war es plötzlich so weit: Mein Zuhause hat sich nicht mehr wie zu Hause angefühlt. Aber auch nach 1,5 Jahren fühlt sich unsere Wohnung noch immer nicht richtig wie Zuhause an. Ich kann nicht genau erklären wieso, uns geht es hier eigentlich recht gut. Ich habe ein paar nette Leute kennengelernt und die Landschaft ist wirklich wunderschön. Langsam verstehen wir auch die Sprache und haben die eine oder andere kulinarische Spezialität kennengelernt.
Ich weiß trotzdem gerade nicht so genau, wo ich eigentlich hin gehöre. Als ich damals beruflich in Karlsruhe war, da habe ich mich von der ersten Sekunde an zu Hause gefühlt in der kleinen möblierten Wohnung. Ich habe so schnell so viele Freunde gefunden, dass ich am Ende gar nicht mit allen Kontakt halten konnte. Vergleiche ich die Menschen hier im Schwabenländle mit den Pfälzern und Badenern, dann sind die Schwaben doch viel reservierter. Noch heute sehne ich mich zurück nach Karlsruhe, mehr noch als nach meiner Heimat. Vielleicht ist auch das der Grund, wieso ich mich hier noch immer nicht heimisch fühle?

Aber weshalb verliere ich plötzlich die Verbindung nach Hause, obwohl ich mich aber gleichzeitig hier nicht verwurzelter fühle? Ich habe immer weniger Kontakt zu meinen Freunden, da wir meistens zur Familie fahren und dafür viel Zeit aufwenden (die Familienkonstellation ist bei mir sehr schwierig). Meine alten Freunde leben größtenteils noch immer da wo sie die letzten Jahre gewohnt haben, unternehmen noch immer viel zusammen und vergessen mich so langsam. Natürlich freuen sie sich, wenn ich da bin, aber es gibt immer weniger gemeinsame Themen. Und wer kann es ihnen verübeln, schließich bin ich schon seit vielen Jahren kaum noch daheim. Richtige Freunde haben wir hier unten nicht, ein paar Bekannte, die aber zum Teil recht verstreut wohnen. Wenn man von einer MIllionenmetroploe plötzlich in ein kleines Dorf zieht, scheint auch die Umwelt zu schrumpfen und 25 Kilometer grenzen an eine Weltreise.

Mein Elternhaus hat sich aber auch irgendwie verändert. Einige Möbel wurden mittlerweile entsorgt, der Garten verwildert immer mehr und gleicht schon mehr einem Urwald. Früher habe ich stundenlang im Garten in der Sonne gelegen, die Vögel im Birnenbaum beobachtet, gelesen und im Liegestohl geschlafen. Jetzt sehe ich den Garten manchmal gar nicht mehr, dabei müsste ich nur eine Türe öffnen und hinaus gehen. Auch der Gruch ist irgendwie nicht mehr der selbe. Die Geräusche haben sich auf undefinierbare Weise verändert. Es fühlt sich immer fremder an. Vieles liegt brach, auch aufgrund der komplizierten Familienkonstellation. Aber es sollte doch immer mein Zuhause sein, ich bin doch dort aufgewachsen. Oder nicht?

Dieses Gefühl ist irgendwie ein ganz seltsames, ich fühle mich gerade als ob ich genau auf der Türschwelle stehe, ich beginne, das alte Leben, die alte Heimat zurückzulassen und mich von ihr zu lösen, aber ich bin noch nicht so weit, mich hier wirklich heimisch zu fühlen. Ein weiterer dafür Grund kann natürlich auch sein, dass ich hier nur in einer Mietwohnung lebe und sie sich nicht anfühlt wie meine. Vielleicht haben wir auch einfach nicht genug dafür getan, dass sie sich so anfühlt. Warum auch immer ich so fühle, ich denke derzeit sehr viel darüber nach, wie es kam und wohin es führen wird.

Eigentlich weiß ich, dass ich mich in Wirklichkeit in eine ganz andere Stadt verliebt habe und über kurz oder lang wieder nach Karlsruhe ziehen will. Ich hatte dort einen tollen Job, tolle Kollegen, super Freunde und die Pfalz ist eine der schönsten Regionen der Welt. Dort zu leben ist mein heimlicher Traum. Ich glaube, wenn wir jemals wieder dort hin ziehen, dann werde ich mich auch wieder heimisch fühlen und endlich wieder eine Heimat haben. Bis dahin kann ich nur das beste aus allem machen und versuchen, doch irgendwie Wurzeln zu schlagen. Schließlich ist es schwierig genug, zwei „Heimaten“ zu haben, bei dreien gehört man wieder nirgends wirklich hin.

Ob man sich wirklich irgendwo heimisch fühlt und einen Ort seine neue Heimat nennen kann, liegt sicherlich immer auch zum Teil an einem selbst. Man kann in ein fremdes Land ziehen, dessen Sprache man nicht spricht, mit fremartigen Kulturen und unbekanntem Essen und sich dort trotzdem heimisch fühlen oder man zieht in den Nachbarort und kommt sich dort doch immer fremd vor. Ich glaube, wichtig ist, dass man sich mit der Zeit auf das Neue einlässt und anfängt, sich ein neues Nest zu bauen.

Ich fahre noch immer gerne nach Hause, in die Heimat, auch wenn dieses Gefühl der Verbundenheit immer schwächer wird. Ich werde versuchen, mich hier etwas heimischer zu fühlen, sowohl in der Wohnung als auch in der Region.
Leider ist mein Zuhause heute aber noch nicht da, wo mein Herz ist, aber über kurz oder lang wird einer einsehen, dass er irrt, entwede rmein Herz oder mein Körper. Und dann werden beide wieder vereint an einem Ort leben, an dem ich Zuhause bin. Und wer weiß, vielleicht wird das sogar ein Ort sein, an den ich heute noch gar nicht denke?


Über mich und meinen Blog

In meine Prüfkiste kommt allerlei verschiedenes, von Produkttests über PC Games,  Ausflüge und Reisen bis hin zu Gedanken. Ich blogge jetzt seit etwa einem Jahr und habe meine Domain www.die-pruefkiste.de seit Mai. Ab und an unterstützt mich meine Mutter mit Blogberichten. Ich selber lese am liebsten Blogs, die sich nicht ausschließlich um Kosmetik oder Mode drehen sondern auch um die Blogger selber. Reine Testblogs sind leider auch selten spannend. Die richtige Mischung aus alltäglichen und weniger alltäglichen Produkttests, Reiseberichten und persönlichen Gedanken macht einen Blog für mich interessant. Deshalb versuche ich auch, in meinem Blog mehrere Themen abzudecken und mich nicht auf eine Nische festzulegen.


Danke Tanja für diesen schönen Einblick in deine Gefühlswelt und das du sie mit uns geteilt hast. Ich hoffe für dich, dass du eines Tages dorthin kannst, wo dein Herz zuhause ist.

Leseratte, Hobbyfotografin, Globetrotter und Hobbyköchin aus Leidenschaft. Immer auf der Suche nach Neuem und Interessanten. Kreativität, Begeisterung, Liebe und meine Familie machen mein Leben so bunt. Ab und zu bin ich etwas verrückt also nicht wundern!

16 Comments

  • Ruby-Celtic

    Guten Abend,

    ein sehr schöner und wahrer Bericht. Das Gefühl von zu Hause kommt tatsächlich von einem selber. In meiner Geburtsstadt lebe ich ja schon lange nicht mehr und wenn ich mal dort bin habe ich auch nicht das Gefühl zu Hause zu sein. Könnte natürlich auch daran liegen, dass wir dort nicht lange gelebt haben.

    Was mir jedoch immer wieder auffällt, dass unser jetztiges zu Hause sich für mich persönlich immer nach zuHause anfühlt. Allerdings glaube ich dass es nicht nur am Haus liegt, sondern an der Person mit der ich dort bin. Wir bauen es uns so um, wie wir es gerne möchte und ich merke mit jedem Tag das dieses Gefühl stärker und fester wird. Genauso wenn ich bei meinen Eltern bin, dort ist es nicht so ausgeprägt aber ebenfalls da. Dazu habe ich noch einen dritten Ort an dem ich dieses Gefühl in kleinem habe, nämlich sobald ich nein korriegiere wir in die Berge fahren. Auch da habe ich dieses kleine Klopfen im Herzen dass mir sagt ich komme irgendwie nach Hause :D

    Schon komisch was das Herz einem alles sagt. *g*

    Liebe Grüße,
    Ruby

    • Tanja Gammer

      Hallo Ruby,

      das Herz will, was das Herz will. Da kann der Kopf noch so oft dagegen reden, es bleibt immer eine Sehnsucht darin. Da ich das Gefühl nicht so kenne, aber dich und alle anderen sehr gut verstehen, finde ich es schön, so offen hier zu reden. Irgendwie zieht es sehr viele eigentlich ganz wo anders hin.
      Du baust dir gerade dein Zuhause neu auf. Ein Zuhause für dich und deinen Lebenspartner, das Gefühl dabei ist sicher sehr schön und genieße es. Das alles ist nur EUERS!
      Liebe Grüße

  • Simone

    Hallo, ein sehr schöner Beitrag der mich auch etwas gerührt hat.
    Ich habe es selber ähnlich erlebt. Ich bin von Bayern in die Schweiz gezogen und habe meine Heimat immer vermisst. Also bin ich zurück gegangen, aber plötzlich habe ich dort nicht mehr hinein gepasst. Und dann hat es sich umgekehrt, ich habe plötzlich die Schweiz ganz stark vermisst. Also bin ich wieder zurück in die Schweiz gezogen und war anfangs sehr glücklich hier. Nun kommen mir aber Zweifel auf und ich sehne mich plötzlich nach ganz anderen Orten an denen ich noch nie gelebt habe.
    Ich denke, dass Heimat viel mit Sehnsucht zu tun hat. Und ich bin überzeugt, dass das Herz immer Recht hat. Frage dich doch einfach, wonach genau sich dein Herz sehnt und ob du dir das an deinem Wohnort erfüllen kannst.

    Ganz liebe Grüße,
    Simone

  • testandtry

    Das ist wirklich ein schöner Text! Ich lebe mein halbes Leben in Bayern, aber so richtig heimisch gefühlt habe ich mich bisher nicht. Darum kann ich mich gut in deinem Text hineinversetzen ;-) LG

    • Tanja Gammer

      Hei Moni,

      da ich mich nicht so auskenne in DE, naja etwas, aber egal welches Land, es ist doch überall gleich! Im Herzen ist und bleibt man meist bei einer Stadt. Ich hoffe jeder fühlt sich zumindest wohl, dort wo er ist, wenn es schon nicht der Ort des Herzens ist. LG

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